Auf der Suche nach dem Verlorenen

Auf der Suche nach dem Verlorenen

Maria Titze im Gespräch mit Norbert Matkowits, dem Geschichtsforscher und Maler, der auf der Suche nach den Spuren und Beweisen der Existenz der Tempelritter  England, Schottland, Spanien, Portugal, Frankreich, Albanien, Kosovo, Rumänien, Bulgarien, Ukraine, Zypern, Estland, Türkei, Kirgisien und das Heilige Land bereist hat.

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch genommen haben. Wie ich zu Ihnen gekommen bin, werden Sie fragen? Ich bin keine professionelle Journalistin, bin aber immer auf der Suche nach Allem was echt ist — echte Menschen, echte Erfahrungen, echte Plätze, echte Geschichten… Es gibt sie schon wenig auf dieser Welt — wirklich echte Sachen. Und so als ich auf der Burg Lockenhaus war wo wir uns begegnet sind, habe ich gesehen, dass die Burg noch echt ist… Und dass Sie eine etwas andere Kraft ausstrahlen als die übrigen Menschen — eine Kraft die irgendwie zur Burg dazu gehört.

Die Burg Lockenhaus ist echt. Sie ist tausend Jahre alt und war immer echt. Man merkt es heute nur nicht gleich.

Norbert Matkowits — mit dem Motorrad auf den Spuren der Tempelritter

Leider ist es immer öfter so, dass dort wo alle diese modernen Ausstellungen und Computer-Installationen mit Videoprojektoren und Plastik-Bildern einziehen, verdrängen sie den Geist des Gebäudes. So wie auch in jenen Räumen in Lockenhaus der Fall ist wo sich diese billige Fledermausausstellung eingenistet hat. Die alte Atmosphäre schwindet…

Ja, leider es ist die traurige Wahrheit, die man heutzutage fast auf jeder Burg trifft. Die Burg Schlaining, die in etwa 20 km Entfernung steht, hat auch eine Fledermausausstellung. ich schätze, in Österreich gibt es zwischen 50 und 100 Fledermausausstellungen, alles von der EU gesponsert. Das heißt , sie zahlt dafür, dass überall der gleiche Blödsinn gemacht wird.

Interessant, dass die Herrschaften dort gerade dieses Thema aufgreifen. Die Fledermäuse sind nicht gerade die hellsten Gestalten und lernen von denen kann man ja auch nicht viel. Und die wahre Geschichte der Templer, zum Beispiel, bleibt im Dunklen, was sehr schade ist, da gerade diese Burg für die Tempelritter von so einer großen Bedeutung war.

Ja, eben auf so einem Platz wo Wichtigeres geschehen ist… Aber die meisten Menschen lesen ja überhaupt nichts. Vorher habe ich Motorradreisebücher geschrieben und bei Motorradtreffen verkauft. Jetzt bei Mittelalterfesten muss ich mich überwinden und selbst mein Buch über Lockenhaus verkaufen, aber dafür treffe ich immer wieder auf interessante Leute.

Dann komme ich gleich zur Sache. Am meisten war ich vom Kultraum beeindruckt. Wissen Sie etwas Näheres zu dem was in diesem Kultraum passierte? Welchen Zwecken er diente?

In ganzen Europa gibt es so etwas nicht, es ist einzigartig. In Israel habe ich 10 Burgen besucht, wo es solche Art von Bauten gibt. Es ist ja auch kein Zufall. Die Güssinger Grafen, denen heutzutage der Bau der Burg Lockenhaus zugeschrieben wird, haben selbst in Güssing vergleichsweise einen Kuhstall gehabt und nicht solch einzigartige Sakralbauten. Also hat es in Wirklichkeit jemand gemacht, der mehr wusste. Die Tempelritter!

Kultraum auf der Burg Lockenhaus

Wie sind Sie zu diesem Thema überhaupt gekommen? Wenn man Sie sieht und Ihre Geschichte liest, könnte man glauben, Sie sind ein echter Templer. Wie ist es passiert, dass Sie sich mit dieser Geschichte so sehr beschäftigen? Man kann aus Ihrem Buch eine persönliche Note herauslesen.

Schon als Kind habe ich auf der Burg gespielt. Damals war die Burg eine Ruine. Der Rittersaal war der einzige Saal wo der Boden eben war und wo wir Kinder Fußball spielen konnten. Später als die Burg gekauft und mit der Restaurierung begonnen wurde, habe ich immer geschaut was dort vor sich läuft. Habe mit der Eisernen Jungfrau gespielt, mit Holzschwertern gekämpft, mit 10 schon die deutschen Mittelalter-Sagen gelesen und die Ritterrüstungen und Pferde gezeichnet. Später kamen die Reisen mit dem Motorrad: Spanien, Portugal — überall habe ich mir die Burgen der Templer angeschaut, die den Jakobsweg gesichert und gegen den Mauren gekämpft haben. In Frankreich habe ich auch viele Burgen gesehen, die den Templern gehört haben. Auch in England habe ich viele Geschichten gehört. Die Engländer mit ihrer Begeisterung für diese Legenden, unter anderem die mit dem König Arthur… Die gehen zur Tausenden zu den Plätzen von Arthur und Merlin, zu der Höhle von Merlin, entlang der Klippen und dem Meer. Und die glauben an das Ganze, obwohl das eindeutig nicht zusammenpasst.

Wie ist es denn hier in Österreich?

Hier in Österreich ist es genau umgekehrt. Die Tempelritter waren da, aber sogar hier auf der Burg Lockenhaus wird erzählt, dass die Burg von den Güssinger Grafen erbaut wurde. Die Burg Güssing selbst, etwa 50 km von dort entfernt, steht auf einem Berg oben und ist aus ganz einfachen Steinen gebaut. Sie schaut aus wie ein Stall. Diese Leute waren Raubritter, sehr mächtig aber primitiv. Sie haben mit dem ungarischen König und den Habsburgern gleichzeitig  Krieg geführt. Im Jahre 1298 haben die Habsburger das ganze Burgenland zerstört. Die zehn Burgen, die da waren — die sind alle weg. Und nur die Burg Lockenhaus haben sie in Ruhe gelassen, da ebenda nicht die Güssinger Grafen sondern die Templer waren. Die waren für die Habsburger ein Tabu — wieder ein Beweis, dass dort tatsächlich die Templer waren und nicht die Güssinger Raubritter.

Das heisst, man muss es noch beweisen, dass die Templer hier waren? Oder wird es doch von der offiziellen Geschichtsschreibung anerkannt?

Die historische Fakten die das beweisen gibt es mehrere, und die Burg stand ja direkt auf dem Pilgerweg, der an der Donau entlang gelaufen ist — über Passau, Wien, Wiener Neustadt, Lockenhaus und durch Ungarn hindurch bis nach Belgrad und weiter in die Türkei, das Heilige Land, Jerusalem… Das Wappen von Lockenhaus zieren drei Türme. Lockenhaus hatte die Burg und das Kloster, das auch von den Templern erbaut wurde. Die drei Türme haben damals nicht die Franziskaner gebaut — diese waren nur Bettelmönche, die haben überhaupt keinen Turm gehabt, nur einen Baum wo die Glocke gehängt ist.

Von Spanien bis ins Heilige Land mit dem Motorrad durch abenteuerliche Wege

Man könnte ja feststellen, wo dieses Kloster stand, aber es wird nichts geforscht. Ich habe nur gelesen, dass 1920 die letzten großen Mauerreste beseitigt wurden, diese waren aus 2 Meter dicken Steinen. Vor ein paar Tagen habe ich mit einem Archäologen in Eisenstadt gesprochen, er hat gesagt, dass auch die kein Geld und keinen Auftrag haben. Erst wenn das Geld und ein Auftrag von der Gemeinde kommt, dann kann was gemacht werden. Es würde mich auch interessieren, weil dieses Kloster auch ein Beweis sein würde, dass die Templer dort gewirkt haben, da war ein Spital, eine Karawanserei wie es im Osten heisst und eine Gaststätte. Und die Burg war die Sperre. Das mussten die Pilger bei den Templern vorbei.

Sie haben gesagt, dass die Wände aus 2 Meter dicken Steinen erbaut wurden? Nicht nur die Mauer waren sehr dick, die einzelne Steine waren riesig? Wenn man diese Einzelheiten anschaut, sieht man, dass an der Geschichte hinten und vorne etwas nicht stimmt. Wie könnten die Bettelmönche diese Steine hochschleppen? Wir haben mit eigenen Augen die riesige Überreste von Persepolis im Iran gesehen, das angeblich durch den Brand und die Pfeile Alexanders der Grossen zerstört wurde. Da stimmt auch vieles nicht. Eine riesige Anlage, die wie ein Haufen Holzspielzeug auseinander geworfen wurde. Durch die Pfeile etwa? Und von dieser großen Kultur weiss man eigentlich auch wenig. Da stellt sich die Frage wie man überhaupt heutzutage die Geschichte erforschen kann, wenn so viel gelogen wird und nicht stimmen kann. Wie kann man, glauben Sie, herausfinden was damals überhaupt abgelaufen war? Was war das für eine Kultur? Wie gehen Sie in Ihren Recherchen vor?

Offiziell darf man ja nur gewisse Sachen sagen. Das war ein Grund warum die Tempelritter vom Papst vernichtet wurden — weil sie zuviel wussten, vor allen solche Sachen die nicht mit dem katholischen Dogma übereinstimmen. Die Schriften von Qumran sind erst im Vatikan verschwunden, andere Schriftrollen aus der Zeit Christi  kannten die Templer, sie haben sich auch mit den anderen Kulturen, auch mit den Feinden — wie etwa den Assassinen — ausgetauscht. Der Alte vom Berge, der Assassinen Anführer, hat auch am Kaspischen Meer eine Bibliothek gehabt. Die Schriften von den ersten Christen waren den Templern bekannt, sie wussten viel mehr als der Papst selbst.

Auf der Suche nach den Spuren der Tempelritter in Venedig und Madeira

Hat man eine Ahnung was dort in den Schriften stand?

Na ja, dies würde aber zu weit führen, wenn wir dies im Rahmen des Gespräch erläutern. Sie sind orthodox, nehme ich an?

Nein, gar nicht. Nicht einmal getauft. Ich gehöre zu einer anderen geistigen Richtung.

Es ist sehr interessant. Das Christentum war ja immer zerstritten, die Päpste haben immer ihre Macht ausgespielt. Die Synoden und die Konzile waren immer die größten Volksfeste und die schlimmsten Verschwörungen wurden dort verhandelt. Da würden wir aber zu weit abkommen. Ich kann da nichts beweisen, da diese im Vatikan verschlossen bleiben werden. Ich kann nur beweisen was bei mir hier in Lockenhaus ist, und zum Beispiel dass dort am Pilgerweg über Pilgersdorf eine Kirche ausgegraben wurde. Eine schöne romanische Kirche, dicke Grundmauern, die im Jahre 1293 zerstört wurde. Ich habe es durch Zufall gefunden, aber wenn man wieder einen Beweis findet der in die Kette passt, dann ist es was Schönes. Pilgerkirche in Pilgersdorf am Pilgerweg — ist ja sicher kein Zufall.

Dies sind diese Details bei denen ich sicher bin, aber was das Geheimwissen der Templer und ihr Plan zur Reform des verkommenen Christentums  war, die Erneuerung der Welt, eine Weltherrschaft der Templer, was den Papst so erzürnt hat, kann ich leider nicht beweisen. Auf jeden Fall war die Marienverehrung wesentlich größer und wichtiger, und diese wurde dann in verschiedenen späteren Konzilien immer weiter abgebaut. Die Rolle der Mutter ist anerkannt geblieben, aber die Rolle der Geliebten des Jesus wird verschwiegen, und dass sie vielleicht Kinder hatten und dass es diese Blutlinie vielleicht noch immer gibt… Die Verehrung der Schwarzen Madonna, vielleicht Maria Magdalena, ist bei uns im Burgenland und im ungarischen Raum durch die Lutheraner immer noch verbreitet — eventuell glaubten sie das bis ins 17. Jahrhundert. Die Unterdrückung des Maria Magdalena Kults durch den Papst ist auch ein Machtspiel. Das ist aber ein heikles Thema…

Dadurch dass ich eine Ausländerin bin und nicht immer die Spezifik vom Land verstehe — obwohl ich hier über 15 Jahre lebe — verstehe ich die Beziehung der Menschen da zu der Religion und der Kirche auch nicht ganz. Wenn Sie jetzt die Schwarze Madonna erwähnt haben, habe ich gespürt, dass Sie sehr vorsichtig sprechen. Warum?

Das darf man ja nicht offen sagen. In der Kirche darf man darüber nicht reden. Das ist eine Sünde und Verbrechen, da komme ich ins Gefängnis und in die Hölle, wenn ich es dem Pfarrer und den anderen guten Katholiken sagen würde. Da bin ich aber auch kein Spezialist, in meinen Forschungen war das eher eine Nebenerscheinung.

«Offiziell darf man ja nur gewisse Sachen sagen…»

Glauben Sie, dass es heutzutage überhaupt viele «Spezialisten» gibt? Es gibt sehr viel jene die die offizielle Theorie von einander abschreiben. Sind sie nun wirklich Spezialisten? Wohl nicht.

Ja, und vom Internet etwas abzuschreiben bringt auch nichts. Ich habe nichts aus dem Internet. Ich habe alles aus den alten Büchern, aus den großen Bibliotheken, aus dem Jahre 1920 — 1930. Da stehen noch die interessante Sachen drinnen.

Heute kann man beobachten, dass die alten Sachen — Bücher, Artefakten — verschwinden. Vor etwa 15 Jahren war ich in der großen Bibliothek von Kloster Melk. Die Bibliothek war wirklich beeindruckend — riesige Halle, imposante Galerien, alte Regale mit antiken Büchern. Ich habe auch die Photos gemacht, obwohl dies nicht erlaubt war, aber was soll’s, bin doch eine Russin. Als ich nun vor etwa 2 Jahren wieder mal dort war und die Bibliothek einer Gruppe unserer Schüler zeigen wollte, war die Bibliothek nicht mehr da. Habe überall gesucht und nicht gefunden bis ich schließlich in einem dunklen schäbigen Vorraum stand, mit Bücherregalen an der Wand, wobei die Bücher eher wie Theaterrequisiten sich angefühlt haben, also nicht echt wirkten.

Ich habe eine Reiseführerin gefragt, wie ich nun in die Bibliothek den Weg finde, und diese erwiderte: «Sie stehen aber mittendrin». Das könnte aber nicht stimmen. Nachdem ich mehrmals nachgefragt habe, hat sie endlich geantwortet: «Na gut, wenn Sie schon so fragen: die alte Bibliothek ist zurzeit geschlossen und ist nicht mehr für breites Publikum zugänglich». «Warum denn?» — «Ah, wenn Sie mehr dazu wissen wollen, fragen Sie an der Kasse.» Ob ich einfach nur Pech hatte und an einem anderen Tag wieder kommen sollte, weiß ich nicht.

Aber dass die alte Schätze generell irgendwohin verschwinden — das kann man woanders auch merken. Im Kunsthistorischen Museum in Wien habe ich mal alte Gemälde gesucht, die aus der frühen Christentum stammen, und auch dort ist es ähnlich gelaufen. Ich konnte den Saal nicht mehr finden, und ein Mitarbeiter hat mir erklärt, dass gerade diese Halle nun geschlossen ist, «weil sie alt ist und eigentlich niemanden interessiert». Auch die Burg Riegersburg ist nun auch fast leer. Was läuft da vor sich?

In Lockenhaus ist auch viel verschwunden, allein durch diese Renovierung die in den 70ern stattgefunden hat. Das war eine Polit-Intrige, eine ganz billige Renovierung mit Strafgefangenen, die alles einfach nur weggeputzt und festbetoniert haben, ohne Rücksicht auf die alten Sachen von den Templern. Das habe ich auch noch selbst miterlebt, was sie damals alles kaputt gemacht haben. Hauptsache, dass man nun die Burg wirtschaftlich nutzen könnte — das Raubritter-Essen, Kinderfeste, Kinderausstellung, die Gastronomie… Und heute noch sind diese Leute aus dieser Raubritter-Familie in der Burgstiftung, im Management-Team. Es gibt’s sie immer noch — die Raubritter, und diese sind nun Besitzer der Burg. Die haben auch nicht viel Interesse daran, dass sich was ändert und dass man etwas über die Tempelritter erforscht und schon gar nicht, dass da vielleicht etwas wissenschaftlich abgesperrt und untersucht wird. Davor haben sie große Angst.

Burg Lockenhaus

Wenn sie wirklich ehrlich und wissenschaftlich untersuchen würden, dann müssten sie die Geschichte umschreiben.

Vor allem sollten sie die eigene Geschichte, die sie bei den Führungen erzählen umschreiben. Es gibt den einzigen Großmeister — Gerhard Volfing — der ist ein Techniker, hat aber auch Latein und Griechisch gelernt und kann die alten Texte lesen. Dem ist es gelungen schon vor 30 Jahren diese Fälschungen von Habsburgern und ungarischen Magnaten in der Nationalbibliothek von Budapest aufzudecken. Seine Erkenntnisse wurden auch von der Universität Wien bestätigt. Der müsste eigentlich zum Heiligen gesprochen werden. Aber niemanden interessiert das. Diese Urkunden der Habsburger sind eindeutig Fälschungen, die ganzen Schätze von den Templern haben sie sich angeeignet. Nach 700 Jahren ist es eindeutig bewiesen, dass es ein Verbrechen an den Templern war, ein geplanter Holocaust, aber gutmachen kann man nicht einmal die Umschreibung der Eigentumsverhältnisse. Und Gerhard Volfing ist ein Großmeister, der schon über 20 Bücher zu diesem Thema herausgebracht hat. Wie gesagt, er ist ein Techniker und ein Wissenschaftler, und seine Bücher liest kaum einer und versteht auch keiner. Es ist so, dass das Volk vom 12-jährigen bis zum 100-jährigen gar keine Ahnung von diesen Zeiten hat, nicht einmal im Dorf Lockenhaus selbst. Darum habe ich mein Buch so einfach geschrieben und für alle lesbar gemacht. Und ich bin immer der Verrückte, der darauf besteht, dass die Tempelritter wirklich da waren.

Was bedeutet der Name übrigens?

Einmal habe ich mit einem Schauspieler, der Filme über die Ritterzeiten macht, bei einem Abend nach der Vorführung gesprochen. Da waren auch der Bürgermeister und 6 Professoren die gefragt wurden, warum Lockenhaus Lockenhaus heisst. Ich habe ihnen gesagt, dass das vom «Leuca» — das Licht — kommt, und die Tempelritter haben es hierher gebracht. Hier gibt es einen Kraftort der leuchtet. Die Professoren meinten, das wäre nur eine Legende…   Ich habe ein Haus in Lockenhaus, das ich für Seminare und Gruppen vermiete. Da gibt es auch einen Kreis von Menschen die das astronomisch aber auch esoterisch untersuchen. Ich habe ein großes Scriptum wo sie das wesentlich detaillierter beschreiben, ich könnte es zeigen, aber muss sagen, dass ich das Universum nicht ganz verstehe, es ist alles unglaublich interessant. Das astronomische Wissen haben die Templer aus dem Osten hergebracht, bei uns im Westen gab es so etwas nicht in solchem Ausmaß. Dieser Kreis mit Wasser im Kultraum — darin haben die Tempelritter die Sternenbahnen beobachtet. Das war ganz einfach, aber effizient.

Buch von N. Matkowits — die Geschichte der Burg Lockenhaus

Genau, als ich Ihr Buch las, wollte ich Sie fragen, woher Sie das wussten, dass die Tempelritter diese Steinschale zur Sternenbeobachtungen als Spiegel benutzt haben?

Das Gefäß das jetzt da unten ist ist höchstwahrscheinlich nicht das Original. Der Raum war zerstört und zugeschüttet, gleich nach dem Fall der Burg in 1334 . Dort oben auf dem Platz wo der Brunnen ist hat der große Kampf stattgefunden mit hunderten Leichen und Feuer. Und die Ruine ist dann viele Jahre leer gestanden. Die Burg kam in den Besitz des ungarischen Königs und wurde erst nach Jahrzehnten weiter belehnt. Der Raum hat sich gefüllt mit Schmutz und Erde. Es gab keine Tür, ausschliesslich das Loch oben im Gewölbe. Darum haben die späteren geglaubt, das ist nur ein Mistbehälter oder ein Wasserbehälter.

Die Astronomen, die hier auf der Burg ihre Seminare abhalten, haben es bestätigt, dass sich in der Schale besondere Sternkreiszeichen spiegeln. Die Funktion der Sonnenstrahlen, die zu bestimmten Zeiten durch bestimmte Fenster dringen und als Kalender dienen, ist in meinem Buch beschrieben.

Ich weiss nicht ob ich fern von der Wahrheit liege, ich kann nur meine Vermutung geben. Wir interessieren uns auch für die Geschichte, versuchen es allerdings auf eine «andere» Weise zu erforschen. Viele Dokumente sind nicht mehr zugänglich, vieles ist umgeschrieben worden, daher kann ein nicht-Spezialist, der keinen Zugang zu den Archiven hat, schwer etwas überprüfen. Auch wenn man etwas finden würde, wie würde man zwischen der Wahrheit und Fälschungen leicht unterscheiden können? Also was wir versuchen ist die Geschichte durch — sagen wir — meditative Techniken zu erforschen. Natürlich ist eine meditative Erfahrung immer subjektiv, sie kann jedoch mit den meditativen Erfahrungen anderer verglichen und abgestimmt werden. Weiteres setzt sie die Entwicklung von einer gewissen Feinfühligkeit voraus. Aber warum müssen wir uns von den Methoden schämen, aus denen die Weisen des Altertums ihr Wissen bezogen haben? Also, wenn wir in einen Ort kommen, versuchen wir die Geschichte von diesem Ort zu erspüren, die Kräfte oder das Gedächtnis — das Karma — die dort wirken zu fühlen und auch die Teile von uns selbst zu finden die dort auf uns noch seit den Urzeiten warten. Denn im Grunde genommen reisen wir alle um uns an etwas zu erinnern, was wir mal früher waren. Man kann die Bestimmung und die Geschichte des Ortes spüren. Und als ich im Kultraum in Lockenhaus stand, kam es mir vor, dass dort Rituale gemacht wurden, und zwar der Sonnen- und Feueranbetung. Also genau bei dieser «Schale» habe ich das Gefühl gehabt, dass sie fürs Feuer und nicht fürs Wasser benutzt wurde.

Na ja, im Feuer können sich die Sterne aber nicht spiegeln…

«Wir alle reisen um uns an etwas zu erinnern, was wir mal früher waren». Mit dem Motorrad durch Kirgisien. Eine Templerburg an der chinesischen Grenze? Flucht auf der Seidenstraße in den Osten?

Die Frage ist nun ob man damals das wirklich gebraucht hat, oder die Eingeweihten andere Wege wussten, um die Konstellation der Kräfte — heutzutage spricht man von Sternen, was aber nicht ganz korrekt ist — zu untersuchen. Wir, moderne Menschen, glauben es nur, dass die Sterne dafür notwendig sind und diese Kräfte auslösen. In der Tat sind sie nur die Repräsentanten jener Kräfte die sich überall und durch alles manifestieren.

Ja, aber leider kann ich nicht meditieren.

Doch, das wissen Sie nur nicht. Aber wenn Sie genaue beobachten, werden Sie merken, dass Sie im Körper etwas besonderes empfinden, ganz fein und leise, wenn Sie auf der Burg sind. Unser Schicksal bringt uns nicht umsonst an bestimmte Orte und Stellen. Es geschieht nie ohne Grund, dass man sich gerade irgendwo befindet und dass Sie sich zum Beispiel so sehr für die Geschichte der Templer interessieren.

Wenn wir uns von den Dogmen der modernen Kirche befreien und mal nicht ablehnen, dass wir auch mehrmals leben können, öffnet sich eine breite Sicht. Wenn wir uns mit etwas sehr beschäftigen, wird es sicherlich eine Spur zu uns früheren geben — zu denen «uns» die wir einmal waren. Und diese Spuren suchen wir. Wie stehen Sie dazu?

Natürlich bin ich sicher, dass es auch andere Kräfte gibt. Früher wollte ich das leugnen, doch immer öfter spüre ich die Existenz einer höheren Kraft. Noch bin ich ein einfacher Diener derselben und wage nichts zu behaupten was nicht beweisbar ist. Und es wird schon stimmen, dass es keine Zufälle gibt.

Maria Titze

Illustrationen: Archivbilder von Norbert Matkowits, Maria Titze, Titelbild pixabay.com

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